{"id":610,"date":"2019-11-04T14:11:11","date_gmt":"2019-11-04T14:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/los-gelassen.de\/?p=610"},"modified":"2019-11-04T14:34:16","modified_gmt":"2019-11-04T14:34:16","slug":"das-leben-hat-kein-gegenteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/los-gelassen.de\/?p=610","title":{"rendered":"Das Leben hat kein Gegenteil"},"content":{"rendered":"<p>Der November wird auch Totenmonat genannt. Die Katholiken feiern &#8222;Allerheiligen&#8220; und &#8222;Allerseelen&#8220; und die Protestanten den &#8222;Totensonntag&#8220; zum Gedenken an die Verstorbenen. Deshalb bekommt das verdr\u00e4ngte Thema in dieser Zeit seinen Platz.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen definieren den Tod als Lebensende. In Wahrheit aber bedeutet er nur das Ende unsres biologischen Daseins. Wir sollten keine Angst vor ihm haben, denn es gibt ihn nicht, zumindest nicht so, wie wir ihn uns vorstellen und wie er uns, mit Angst und Schrecken behaftet, von den Kirchen vorgegaukelt wird. Wir warten nicht &#8222;schlafend&#8220; in unseren Gr\u00e4bern, bis wir in unseren physischen K\u00f6rpern auferstehen, um dem &#8222;J\u00fcngsten Gericht&#8220; vorgef\u00fchrt zu werden. Das ist blanker Unsinn, den hoffentlich niemand glaubt.<\/p>\n<p>Tod bedeutet &#8222;Nichtleben&#8220;, was niemals und nirgendwo existiert, denn es gibt nur Leben. So ist der Tod, da er unserer Welt der Polarit\u00e4t (der Gegens\u00e4tze) angeh\u00f6rt, eine gro\u00dfe Illusion. Vielleicht kennst auch Du, liebe Leserin, lieber Leser, das Gef\u00fchl unsterblich zu sein und es w\u00fcrde nur &#8222;die anderen&#8220; treffen. Dieses Empfinden von Unsterblichkeit ist durchaus berechtigt, weil tief in uns das Wissen existiert, dass wir tats\u00e4chlich unsterblich sind, womit nat\u00fcrlich nicht unser physischer K\u00f6rper gemeint ist.<br \/>\nGeburt und Tod sind Eintrittskarten in unterschiedliche Dimensionen. Durch Geburt gelangen wir in die grobstoffliche irdische Welt und durch das Sterben in feinstoffliche jenseitige Welten. Beide Vorg\u00e4nge sind kein Anfang und auch kein Ende.<br \/>\nWenn ein Mensch stirbt, so vollendet sich sein physisches, irdisches Leben. Er \u00fcberschreitet im Haus seines Lebens die Schwelle von einem Raum in einen anderen. Der italienische Maler und Bildhauer Michelangelo dr\u00fcckte das so aus: <em>&#8222;Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die R\u00e4ume.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Manche Menschen empfinden den Tod als Strafe f\u00fcr etwas, was sie durch ihn zu s\u00fchnen h\u00e4tten. In diesem destruktiven Denken wird nicht bedacht, dass jedes Menschenleben endlich ist, dass also der sogenannte Tod ein nat\u00fcrlicher Teil des Lebens ist, der auch Heilige trifft.\u00a0 Trotzdem halten wir Bewohner der westlichen Welt diesen &#8222;Tausch der R\u00e4ume&#8220; f\u00fcr grausam und sinnlos. Also versuchen wir das irdische Leben um jeden Preis zu verl\u00e4ngern. Wir transplantieren, klonen und lassen Schwerkranke, die sterben wollen nicht gehen, weil wir nicht mehr den Sinn des Todes verstehen. Er ist das Tor in unsere eigentliche Heimat, die weniger ein Ort als vielmehr ein Seins- oder Wahrnehmungszustand ist und notwendig f\u00fcr den weiteren Aufstieg innerhalb unserer geistig-seelischen Evolutionsspirale. Und vielleicht werden wir eines Tages in der Lage sein, diesen \u00dcbergang anders zu gestalten, ohne Krankheit, ohne Leid, ohne Schmerzen, einfach nur, weil wir den Wunsch haben, in andere Erfahrungsbereiche einzutreten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nichts sch\u00f6n reden oder gar den Eindruck erwecken, ich hielte den Tod f\u00fcr einen &#8222;Spaziergang&#8220;. Unsere Geburt war auch keiner, sondern mit Stress, Angst und Schmerzen verbunden, nicht nur f\u00fcr unsere M\u00fctter. Wir erinnern uns nur nicht daran.<br \/>\nWer m\u00f6chte denn Schmerzen erleiden, an Schl\u00e4uchen h\u00e4ngen und von Ger\u00e4ten im Krankenhaus abh\u00e4ngig sein.<br \/>\nAber es w\u00e4re gut zu lernen mit der Angst umzugehen, sich ihr zu stellen und aus dem Lebensende kein Tabuthema zu machen, mit all den unguten Konsequenzen, die eine Verdr\u00e4ngung mit sich bringt.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an einen Fall, von dem ich vor ein paar Jahren gelesen hatte. Ein Mann war einige Jahre lang v\u00f6llig dement, auch sprachlos und erkannte niemanden mehr. In seinen letzten Lebensminuten in einem Krankenhaus setzte er sich auf, verabschiedete sich klar und deutlich von seinen Angeh\u00f6rigen und sprach jeden einzelnen pers\u00f6nlich an. Die \u00c4rzte waren neugierig und baten die Angeh\u00f6rigen, seinen Kopf obduzieren zu d\u00fcrfen. Was sie fanden, war ein aufgel\u00f6stes, fast nicht mehr vorhandenes Gehirn. Deshalb h\u00e4tte er sich eigentlich nicht mehr bewegen, nicht sprechen und auch nicht seine Angeh\u00f6rigen erkennen d\u00fcrfen.<br \/>\nUnsere Pers\u00f6nlichkeit, unser Bewusstsein ist also grenzenlos und nicht an unsere K\u00f6rperlichkeit, an unser Gehirn gebunden.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht ganz ignorant sind, erkennen wir, dass wenn ein geliebter Mensch stirbt, nur zu einem geringen Teil der K\u00f6rper diesen Menschen ausgemacht hat.<br \/>\nIch habe f\u00fcr mich ein &#8222;Rezept&#8220; gefunden und daf\u00fcr auch Vorbilder. Zwei mir sehr wichtige Menschen, die beide f\u00fcr meine Begriffe zu fr\u00fch gegangen sind, haben sich am Ende ihres physischen Lebens ge\u00f6ffnet und waren einverstanden mit allem, was auf sie zukommen wird. Sie sind ihren letzten Weg mutig und mit W\u00fcrde gegangen. Das Einverstandensein ist der Schl\u00fcssel zum Loslassen, das einen leichteren Abschied erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Versuchen wir den Tod als das zu begreifen, was er tats\u00e4chlich ist:<br \/>\nEin Transformationsprozess, f\u00fcr den die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling immer noch das perfekte Sinnbild ist: <em>&#8222;Was die Raupe als Ende der Welt bezeichnet, nennt der Rest der Welt Schmetterling.&#8220;\u00a0 <\/em>(Lao Tse)<br \/>\nDiese Metamorphose, die wir Tod nennen, ist das letzte und gr\u00f6\u00dfte Abenteuer unseres irdischen Daseins.<\/p>\n<p><em>&#8222;Alles was mich die Wissenschaft bisher gelehrt hat, best\u00e4tigt meinen Glauben an eine spirituelle Wiedergeburt nach dem Tod. Ich glaube an eine unsterbliche Seele. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass sich nichts in Nichts aufl\u00f6sen kann.&#8220;<br \/>\n<\/em>(Wernher von Braun, deutscher Raumfahrtwissenschaftler der NASA)<\/p>\n<p>P.S.\u00a0\u00a0 November-Situationskomik:<br \/>\nIn diesen Tagen hat an meinem Wohnort Die\u00dfen ein Bestattungsunternehmen seine Pforten ge\u00f6ffnet. Im Schaufenster eine\u00a0 Einladung f\u00fcr die Er\u00f6ffnungsfeier. Sie endet mit den Worten: &#8222;Dann trinken wir zusammen ein Glaserl und sto\u00dfen auf Ihre Zukunft an.&#8220;<br \/>\nVielleicht gehe ich hin&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der November wird auch Totenmonat genannt. Die Katholiken feiern &#8222;Allerheiligen&#8220; und &#8222;Allerseelen&#8220; und die Protestanten den &#8222;Totensonntag&#8220; zum Gedenken an die Verstorbenen. Deshalb bekommt das verdr\u00e4ngte Thema in dieser Zeit seinen Platz. Die meisten Menschen definieren den Tod als Lebensende. 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