{"id":65,"date":"2018-04-09T14:15:21","date_gmt":"2018-04-09T14:15:21","guid":{"rendered":"http:\/\/los-gelassen.de\/?p=65"},"modified":"2018-06-14T15:42:46","modified_gmt":"2018-06-14T15:42:46","slug":"der-alte-olivenbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/los-gelassen.de\/?p=65","title":{"rendered":"Der alte Olivenbaum"},"content":{"rendered":"<p>Ein alter Baum, so sp\u00fcre ich mich manches Mal. Fest verwurzelt in der Erde, die \u00c4ste himmelw\u00e4rts, bl\u00fchend zuweilen und manches Mal Fr\u00fcchte tragend. Den alten Baum betrachte ich als sinngleich mit dem Olivenbaum, der mir der liebste ist und der f\u00fcr mein Empfinden W\u00e4rme, Geborgenheit und Weisheit ausstrahlt. Ich mag auch den Ginkgobaum (und alle anderen B\u00e4ume), welcher der \u00e4lteste Baum der Welt sein soll. Diesen empfinde ich aber als eher k\u00fchl. Na klar, Ginkgo = Gehirn, Olive = Seele, Emotion, n\u00e4hrend. <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Oft denke ich an den uralten Olivenbaum, dem ich vor einigen Jahren am \u00d6lberg in Jerusalem begegnet bin. Er soll 2000 Jahre oder sogar noch \u00e4lter sein, wie neuere Untersuchungen ergeben haben. Was mag er denken, was hat er gesehen und erlebt, w\u00e4hrend er\u00a0 &#8211;\u00a0 immer den Blick \u00fcber das Kidrontal hinweg auf die heilige Stadt gerichtet\u00a0 &#8211;\u00a0 die Zeit und ihre Begebenheiten geduldig an sich vor\u00fcber ziehen lie\u00df?<\/p>\n<p>Er war noch sehr jung, als M\u00e4nner den Olivenhain betraten, der seit so unendlich langer Zeit seine Heimat ist. Bis auf Einen waren sie alle bald unter den B\u00e4umen eingeschlafen, anstatt hellwach zu sein &#8211; wie das halt so ist mit uns Menschen. Der Eine aber wachte und sprach mit seinem Vater. Todesangst lie\u00df ihn erzittern, denn er wusste, was er zu erwarten hatte. Dann kamen Soldaten mit klirrenden Schwertern und martialischem Gehabe und f\u00fchrten ihn ab, w\u00e4hrend seine Freunde in alle Himmelsrichtungen fl\u00fcchteten. Sp\u00e4ter wurden Kreuze an der Richtst\u00e4tte aufgestellt und der Eine gab seinen Geist auf.<\/p>\n<p>Einige Jahrzehnte sp\u00e4ter zerst\u00f6rte die r\u00f6mische Besatzungsmacht den Tempel, welcher Mittelpunkt und geistiger Zusammenhalt f\u00fcr das Volk gewesen war. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte eroberten Sassaniden die Stadt und wurden von den Osmanen vertrieben, dann wechselten Araber, Umayyaden, Abbasiden, Fatimiden, Seldschucken einander ab, alle mehr oder weniger blutig, meistens aber mehr. Schlie\u00dflich betraten die ersten christkatholischen Kreuzfahrer mit ihren Schwertern die heilige Stadt und tauften sie gleich am ersten Tag mit dem Blut von 3000 arabischen und j\u00fcdischen Einwohnern. Tausende Kreuzfahrer folgten, die unz\u00e4hlige Ermordete hinterlie\u00dfen. Man erz\u00e4hlt, dass Str\u00f6me von Blut in den Stra\u00dfen geflossen seien. Sp\u00e4ter kamen noch einmal die Osmanen und dann die Briten. Diese spielten ein doppeltes Spiel, indem sie das Land sowohl den Juden als auch den Arabern versprachen. Und als es ungem\u00fctlich wurde, machten sich die Besatzer aus dem Staub. Gleich am Tag der Staatsgr\u00fcndung gab es Krieg, dann noch einen, der sechs Tage dauerte,\u00a0 dem bis heute Unruhen und gegenseitige Provokationen folgen sollten.<\/p>\n<p>Friedliche, gelassene Zeiten hatte die heilige Stadt selten. Jerusalem\u00a0 &#8211;\u00a0 mehr als eine Stadt,\u00a0 Sinnbild f\u00fcr den Zustand der Welt und daf\u00fcr, was Menschen einander antun. Der alte Olivenbaum aber, er hat wohl nie preisgegeben, was er \u00fcber uns Menschen denkt. Ich m\u00f6chte mir das aber auch gar nicht vorstellen, den ich w\u00fcrde wahrscheinlich vor Scham im heiligen Boden versinken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein alter Baum, so sp\u00fcre ich mich manches Mal. Fest verwurzelt in der Erde, die \u00c4ste himmelw\u00e4rts, bl\u00fchend zuweilen und manches Mal Fr\u00fcchte tragend. Den alten Baum betrachte ich als sinngleich mit dem Olivenbaum, der mir der liebste ist und der f\u00fcr mein Empfinden W\u00e4rme, Geborgenheit und Weisheit ausstrahlt. 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