{"id":769,"date":"2021-07-18T15:01:02","date_gmt":"2021-07-18T15:01:02","guid":{"rendered":"https:\/\/los-gelassen.de\/?p=769"},"modified":"2021-08-21T15:16:04","modified_gmt":"2021-08-21T15:16:04","slug":"machen-religionen-noch-sinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/los-gelassen.de\/?p=769","title":{"rendered":"Macht Religion noch Sinn?"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben in einer Zeit, die Traditionen auf dem Pr\u00fcfstand stellt. Dazu geh\u00f6ren auch Religionen und ihre Inhalte. Die urspr\u00fcnglichen spirituellen Lehren sollten aber nicht mit jenen auf eine Stufe gestellt werden, die sie verf\u00e4lschen, um sie f\u00fcr ihre Zwecke zu missbrauchen.<br \/>\nIn ihrem Ursprung Weisheit und Liebe, scheinen sich manche Religionen mit diesen Qualit\u00e4ten schwer zu tun. Sie erinnern an eine Quelle, die zum Fluss anschwillt, der im Laufe der Zeit immer tr\u00fcber wird, bis die urspr\u00fcngliche Reinheit nicht mehr erkennbar ist. Jede Religion aber sollte, was ihre Aufgabe w\u00e4re, nur die eine wahre Geschichte erz\u00e4hlen\u00a0 &#8211;\u00a0 die Liebe zwischen dem g\u00f6ttlichen Ursprung und allem Lebendigen. In ihr ist alles enthalten.<\/p>\n<p>Die meisten institutionalisierten Religionen sind menschliche Sch\u00f6pfungen, die oftmals ein eher trauriges und abergl\u00e4ubisches Bild vermitteln. Ich beziehe mich hier auf die christliche Kirche, weil sie unseren Kulturkreis betrifft. Sie ist im 4. Jahrhundert aus dem Urchristentum des ersten Jahrhunderts als Institution entstanden. Im Laufe der 2000 Jahre ihrer Existenz hat sie sich immer weiter von ihrem Ursprung entfernt und bietet seitdem ein teilweise erb\u00e4rmliches Bild. Sie k\u00e4mpft um den Erhalt ihres Machtsystems. Obwohl dieser Kirche die Mitglieder in Scharen davon laufen, ist kein grundlegender Reformwille erkennbar, was auf einen Realit\u00e4tsverlust hindeutet, der wiederum autokratischen Systemen eigen ist. Und so geht der im Zeitalter der Aufkl\u00e4rung (18. Jhdt.) entstandene westliche Atheismus auch auf das Konto dieser religi\u00f6sen Institution.<\/p>\n<p>Ein zu allen Zeiten g\u00fcltiges spirituelles Urwissen durchzieht wie ein unterirdischer Fluss alle Religionen. Und so enthalten sie alle Partikel dieser Urweisheit. Diese auch in jedem von uns verborgene Weisheit bedient sich verschiedener Gew\u00e4nder, die wenn sie strukturiert und formalisiert werden, sich als Religionen bezeichnen. Ihre Aufgabe w\u00e4re, Verk\u00fcnder eines unermesslichen geistigen Universums zu sein. Dankenswerterweise wurde das alte Wissen durch die echten esoterischen (was nichts mit der &#8222;Lifestyle-Esoterik&#8220; unserer Tage zu tun hat) und mystischen Str\u00f6mungen bewahrt und Mystiker und Erleuchtete aller Zeiten und Religionen haben es erhalten und weiter getragen, h\u00e4ufig unter Einsatz ihres Lebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Einweihung in den eigenen Lebensweg<\/p>\n<p>Alle unsere Existenzen in einem physischen K\u00f6rper k\u00f6nnen wir als Einweihungsweg bezeichnen, der uns in Geist und Seele geschrieben ist. Ausgehend von der Quelle, die unsere Urheimat ist, f\u00fchrt er uns entsprechend dem biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn, wieder zu ihr zur\u00fcck.<br \/>\nEinweihung ist wie das Starten eines Motors und bedeutet die \u00d6ffnung gegen\u00fcber unserem ganz pers\u00f6nlichen Lichtweg. Er mag immer wieder durch dunkle T\u00e4ler f\u00fchren, weil wir auch dort Erfahrungen sammeln wollen. Wir wissen, dass es ohne T\u00e4ler keine Berge gibt. So wird die Sehnsucht nach dem Licht erst entstehen, wenn wir uns wieder einmal in der Dunkelheit meinen. Aber <em>&#8222;Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt.&#8220;\u00a0<\/em>(Hermann Hesse). Wollen wir unseren Einweihungsweg bewusst annehmen, dann sollten wir bereit sein, unser gewohntes allt\u00e4gliches Leben immer wieder in Frage zu stellen. Einweihung aber bedeutet nicht Erleuchtung. Sie geschieht nicht durch religi\u00f6se Rituale oder Pr\u00fcfungen. Einweihung ist das Zusammenf\u00fchren, die Integration aller unserer bisherigen Lebenserfahrungen, die uns erkennen lassen, dass unser Lebensweg immer in Richtung Ziel f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wenn ich mir ein Etikett aufkleben m\u00fcsste, w\u00fcrde ich mich im Sinne dieses Artikels als religionslose Urchristin bezeichnen, die sich zum urspr\u00fcnglichen unverf\u00e4lschten Christentum hingezogen f\u00fchlt. Heute blicke ich auf einen weiten Lebensbogen spiritueller Erfahrung zur\u00fcck. Ich war auf der Suche nach der perfekten, f\u00fcr mich &#8222;ma\u00dfgeschneiderten&#8220; Religion, die ich im Au\u00dfen nicht gefunden habe. Aber mit Hilfe dreier wunderbarer geistiger Lehrer durfte ich den roten Faden entdecken, der sich durch die Religionen zieht und sie alle auf einer tieferen Ebene verbindet. Es ist die erw\u00e4hnte Urweisheit aus unserer Quelle, die mich dem Ursprung meiner eigenen christlichen Wurzeln wieder nahe brachte. Sie ist mit den Botschaften aller gro\u00dfen Weisheitslehrer der Menschheit identisch\u00a0 &#8211;\u00a0 Jesus, Buddha, Krishna, Meister Eckhart und viele andere, auch in unserer Zeit. Sie alle haben kein Interesse daran, dass wir an sie glauben, aber sie m\u00f6chten, dass wir ihnen glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Religion als Navigationshilfe<\/p>\n<p>Die beiden \u00f6stlichen Religionen Buddhismus und der philosophische Hinduismus sind ihren Wurzeln noch nahe. Auf der Grundlage ihrer heiligen Schriften sind sie Navigationssysteme ohne Machtanspruch, denn sie verf\u00fcgen vern\u00fcnftigerweise \u00fcber keinen &#8222;Vatikan&#8220;.<br \/>\nDas Christentum war in seinem Ursprung auch eine solche Wegweisung und die Lehre des Jesus eine Synthese des gro\u00dfen Wissens und der Weisheit. Leider hat der &#8222;alleinseligmachende&#8220; Anspruch der Kirche mit ihren teilweise recht merkw\u00fcrdigen Interpretationen eines sehr kleinen Ausschnittes der urspr\u00fcnglichen Lehre diese Religion auf ein recht niedriges Niveau gebracht. Um es klar zu sagen, vieles von dem, was Jesus die Seinen lehrte, ist ins Gegenteil verkehrt worden. Es wurde \u00fcber die Jahrhunderte hinweg gef\u00e4lscht, gelogen und betrogen.<br \/>\nAber auch andere Religionen haben sich von ihren Urspr\u00fcngen entfernt, sind in Buchstaben erstarrt und nicht der Mensch und das Leben stehen im Mittelpunkt, sondern Dogmen und sinnentleerte Glaubenss\u00e4tze, welche die Gl\u00e4ubigen in ein nur wenig Freiheit gew\u00e4hrendes Korsett zw\u00e4ngen. Es ist aber nicht der Mensch f\u00fcr die Religion geschaffen, sondern die Religion f\u00fcr den Menschen, die f\u00fcr ihre Anh\u00e4nger ein verl\u00e4sslicher Wanderstab auf dem Weg sein sollte.<\/p>\n<p>In Herz und Geist reif geworden werden wir eines Tages das Navigationssystem Religion nicht mehr ben\u00f6tigen. Wir sind dann dankbar f\u00fcr den Halt, den es uns gegeben haben mag, aber nun gehen wir aus eigener Kraft weiter. Die neue Wegweisung erhalten wir von unserer leisen inneren Stimme, dem Lehrer in uns, der reiner Geist ist und als &#8222;Hohes Selbst&#8220; bekannt. Es ist nicht ein h\u00f6heres Selbst, wie es auch genannt wird, sondern das H\u00f6chste, denn es ist unsere Essenz, der Geist Gottes in uns, weise, all-wissend und<br \/>\nall- liebend. Wir verbinden uns mit ihm und werden erleben, dass er die direkte Stra\u00dfe zum G\u00f6ttlichen ist.<br \/>\nZu diesem Entwicklungsweg geh\u00f6rt auch, dass wir uns kein Bild mehr von Gott machen, sondern daran wirken, in unserem tiefsten Inneren zu einem Bild Gottes zu werden. Das ist die Essenz der Lehre des Buddha, die wiederum identisch ist mit dem, was Jesus die Seinen lehrte. Im Westen wird der Buddhismus oftmals als atheistische Religion wahrgenommen, was an sich schon ein Widerspruch ist. Er ist keineswegs ein gottloser Weg, sondern er verf\u00fcgt \u00fcber ein anderes, ein unpers\u00f6nliches Gottesbild, welches nicht vergleichbar ist mit unserem &#8222;lieben Gott&#8220;, der nicht immer &#8222;lieb&#8220; ist und der wiederum nichts zu tun hat mit dem, den Jesus seinen Anh\u00e4ngern vermittelte.<br \/>\nAls vor 2500 Jahren der Inder Gautama Siddharta gefragt wurde, ob er ein Heiliger, ein Engel oder gar ein Gott sei, antwortete er: &#8222;Ich bin erwacht&#8220;. Da wurde er zum Buddha, was &#8222;der Erwachte&#8220; bedeutet. Aus welchem Schlaf, aus welchem Traum ist er, meditierend unter dem Bodhibaum, erwacht? Aus dem sich sehr realistisch anf\u00fchlenden Traum, den wir unser Leben nennen, hin zu einer Wirklichkeit, die gr\u00f6\u00dfer und vollkommener ist, als wir &#8222;Tr\u00e4umende&#8220; sie uns vorstellen k\u00f6nnen. Man bezeichnet das Erwachen auch als Erleuchtung oder Kosmisches Bewusstsein. Es kommt aber nicht von au\u00dfen auf uns zu, sondern erh\u00e4lt die Initialz\u00fcndung von innen, aus der Kraft der Seele und des Geistes. Daher ist absichtslos zu leben, auch das lehrt Buddha, einer der Wege zum Entfachen des inneren Lichtes.<\/p>\n<p>&#8222;Vom Untertan zum freien Geist&#8220; wird eine Fortsetzung und der Titel meines n\u00e4chsten Blogartikels sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in einer Zeit, die Traditionen auf dem Pr\u00fcfstand stellt. Dazu geh\u00f6ren auch Religionen und ihre Inhalte. Die urspr\u00fcnglichen spirituellen Lehren sollten aber nicht mit jenen auf eine Stufe gestellt werden, die sie verf\u00e4lschen, um sie f\u00fcr ihre Zwecke zu missbrauchen. 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