{"id":91,"date":"2018-04-28T15:22:41","date_gmt":"2018-04-28T15:22:41","guid":{"rendered":"http:\/\/los-gelassen.de\/?p=91"},"modified":"2018-06-14T15:41:39","modified_gmt":"2018-06-14T15:41:39","slug":"der-antisemitismus-braucht-keine-juden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/los-gelassen.de\/?p=91","title":{"rendered":"Der Antisemitismus braucht keine Juden"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Geburtsjahr 1944 war nicht nur der 2. Weltkrieg auf seinem H\u00f6hepunkt angekommen, sondern auch die Vernichtung von Menschen, die in den Augen der damaligen Machthaber &#8222;unwertes Leben&#8220; darstellten. Das waren au\u00dfer den Mitb\u00fcrgern j\u00fcdischen Glaubens auch Sinti und Roma, Pazifisten, Sozialdemokraten, Kommunisten, mutige Menschen aus dem Widerstand, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, christliche Priester, Obdachlose und geistig und k\u00f6rperlich behinderte Menschen.<br \/>\nDer Geschichtsunterricht im \u00d6sterreich meiner Generation endete beim Beginn des 1. Weltkrieges. Und so gibt es viele Menschen in meinem Alter, die sensibilisiert sind durch die Geschehnisse dieser dunklen Zeit. Was der Geschichtsunterricht vers\u00e4umt hatte, holten wir lesend nach. <!--more--><\/p>\n<p>In meinen Wiener Jahren war ich ehrenamtlich in der an Mitgliedern kleinen Organisation &#8222;Aktion gegen den Antisemitismus in \u00d6sterreich&#8220; aktiv. Dort hatte ich mit j\u00fcdischen Mitb\u00fcrgern zu tun, die zum gro\u00dfen Teil \u00dcberlebende des Holocaust waren. Menschen wie Du und ich &#8211; intelligent, lebensbejahend, freundlich und mit einem speziellen tiefgr\u00fcndigen Humor ausgestattet. Wie oft habe ich es in meiner Jugend und auch sp\u00e4ter erlebt, dass auf meine Nachfrage, nachdem antisemitische \u00c4u\u00dferungen gefallen waren, der Gespr\u00e4chspartner keine sachlichen oder gar konkrete Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Einstellung nennen konnte. Und die meisten hatten noch nie einen Juden bewusst zu Gesicht bekommen.<\/p>\n<p>Heute greift der Antisemitismus\u00a0 wieder unverbl\u00fcmt und aggressiv um sich. Wir Menschen kommen ganz offensichtlich ohne unsere &#8222;S\u00fcndenb\u00f6cke&#8220;, die man heute &#8222;Projektionsfl\u00e4che&#8220; nennt, nicht durchs Leben. Es scheint befriedigend zu sein, sich \u00fcber andere zu erheben, sie herabzuw\u00fcrdigen und in den Schmutz zu ziehen.<br \/>\nWarum sollte ich als intelligenter Mensch, f\u00fcr den ich mich halte, antisemitisch oder sonst\u00a0 wie &#8222;anti&#8220; sein? In der Reihe meiner zahlreichen Erdenleben war ich in vielen V\u00f6lkern und Religionen zu Hause. Und das gilt f\u00fcr jeden Menschen auf unserem Planeten.<\/p>\n<p>Ist es nicht traurig, dass der Zentralrat der Juden uns dieser Tage um Solidarit\u00e4t bitten musste? Danach demonstrierten viele Christen, Moslems, Juden und andere in verschiedenen deutschen St\u00e4dten f\u00fcr Toleranz und Akzeptanz.<br \/>\nDass der Antisemitismus noch nicht einmal Juden braucht, wurde vor kurzem deutlich. Im TV wurde \u00fcber ein Fu\u00dfballspiel berichtet, w\u00e4hrend dem Fans den &#8222;Gru\u00df&#8220; der dunklen Zeit zeigten und antisemitische Parolen br\u00fcllten. Nun war aber kein einziger Jude auf dem Spielfeld. Das zeigt, wie absurd und irrational der Antisemitismus ist, aber auch alle anderen &#8222;Anti&#8220;, wenn sie sich gegen Menschen anderer Nationalit\u00e4ten, Religionen und Hautfarben richten.<br \/>\nIch meine, dass jeder in Gespr\u00e4chen mit Mitmenschen Gesicht zeigen sollte, wenn sich eine Notwendigkeit ergibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Geburtsjahr 1944 war nicht nur der 2. Weltkrieg auf seinem H\u00f6hepunkt angekommen, sondern auch die Vernichtung von Menschen, die in den Augen der damaligen Machthaber &#8222;unwertes Leben&#8220; darstellten. 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